Ausgewählte Arbeiten von Frei Otto und seinen Teams

Selected Works of Frei Otto and his Teams

 

Aktuelles

 

 

15.09.2003

Stuttgarter Nachrichten

 

 

Der einstige Versuchsbau ist heute ein Baudenkmal

 

Offene Tür in Frei Ottos Vaihinger Pavillon

 

Denkwürdige Bauten sind zumeist nur von

außen zu betrachten. Zum Tag des offenen

Denkmals aber öffneten einige Gebäude in

Stuttgart ihre Türen, und so konnte man gestern

passend zum Motto "Wohnen und Arbeiten im

Baudenkmal" auch den Expo-Versuchsbau von

Frei Otto betreten.

 

VON ALEXANDER MÖHNLE

 

Versteckt hinter dichtem Grün und hohen

Bäumen, blinzelt nur der 17 Meter hohe Mast

hervor. Nein, zufällig kommt hier keiner vorbei.

Denn im Pfaffenwaldring 14 auf dem Vaihinger

Uni-Campus steht ein echter Meilenstein der

Baukunst. Die Stuttgarter Star-Architekten Rolf

Gutbrod und Frei Otto errichteten hier ihren

Versuchsbau zum deutschen Pavillon zur Expo

1967 in Montreal, und außergewöhnlich ist

dieser zeltartige Rundbau auch heute noch.

 

"Nach diesem Seilnetzmodell hat Frei Otto

später auch das Dach des Münchner

Olympiastadions entworfen", erklärte die 28-

jährige Doktorandin Christine Lemaitre den

Besuchern am bundesweiten Tag des offenen

Denkmals. Dieser von der deutschen

Denkmalstiftung initiierte Tag soll das

Bewusstsein für gebautes Erbe schärfen. Mehr

noch als die acht weiteren gestern in Stuttgart

geöffneten Baudenkmale wie das Alte Schloss,

die Martinskirche, das Mietshaus Leo Vetter

oder die weltweit bekannte Weißenhofsiedlung

steht gerade dieser luftige Pavillon mit der

schmalen Glasöffnung in dem mit Naturschiefer-

Schindeln gedeckten Dach auch für gelebte

Zukunft am Bau. Und das nicht allein wegen

seiner spektakulären Bauweise.

 

Schon 1968 wurde dieser erst kürzlich unter

Denkmalschutz gestellte Rundbau mit seinen

460 Quadratmeter Grundfläche zum

Institutsgebäude für Leichte Flächentragwerke

umgebaut. Seit 2001 sind hier zudem die einst

getrennten Fachrichtungen Architektur und

Bauingenieurswesen zum interdisziplinären

Lehrstuhl für Leichtbau Entwerfen und

Konstruieren (Ilek) vereint. "Gemeinsam

erforschen und erproben wir seither enger

verknüpft, wie man im Leicht- und Massivbau mit

weniger Material günstiger und doch

ästhetischer baut", erklärt Mitarbeiterin Christine

Lemaitre den Besuchern etwas vereinfacht die

Aufgabe des weit über die Landesgrenzen

renommierten Instituts. Der Bogen an

Forschungsfeldern spanne sich dabei bis zu

textilen Bauweisen und sogar befahrbaren

Glaskonstruktionen. So nahm Architektin Julia

Beier, die Ortskuratorin der Deutschen Stiftung

Denkmalschutz, den Pavillon denn auch wegen

seiner so besonderen Nutzung auf ihre Liste für

den Tag des offenen Denkmals. Vor allem sei

dieser Bau ein Beispiel für die gegenwärtig

leider oft vernachlässigte architektonische

Leitidee von der Form, die der Funktion zu

folgen habe. So sei das Ilek ein ästhetisch

schönes Denkmal und auch Mahnmal zugleich,

gegen das die heute so populäre und

vermeintlich schicke Glaskasten-Architektur

gerade in heißen Sommern ziemlich alt

aussehe.

 

Aktualisiert: 16.09.2003, 05:04 Uhr

 

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© Atelier Frei Otto Warmbronn