Ausgewählte Arbeiten von Frei Otto und seinen Teams

Selected Works of Frei Otto and his Teams

 

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21.06.2002

Stuttgarter Nachrichten

 

Offener Brief
Der Trump-Tower - ein Fremdkörper in der Stadt
 
Viele Städte wünschen sich einen unverwechselbaren

Charakter. Stuttgart hat einen. Er ist geprägt von

einer bewegten und bewegenden Landschaft. In

dieser leise tönenden, überraschenden Landschaft

ließ sich Stuttgart, diese Großstadt wider Willen,

nieder. Immer bemüht, das labile Gleichgewicht des

räumlichen Zusammenspiels der zeitlosen

natürlichen, geographischen und topographischen

Gestalten und "der Überprägung durch die

Kulturarbeit von Generationen" auszubalancieren. So

entstand die gewachsene, historisch bedingte

Stadtpersönlichkeit, die Physiognomie Stuttgarts.

Nicht nur im sichtbaren Bereich, auch in der

Lebensweise, im Charakter der Menschen mit allen

ihren Vorlieben und Eigenarten, "eine kleine Welt für

sich", eine Polyphonie von Natur und Stadt, von

Innerlichkeit und Weltoffenheit.

Gewaltsames, Brachiales, (zu) Großes, nur Macht

Demonstrierendes gab es nie in dieser Stadt, ist ihr

fremd, weder im visuellen, noch im sozialen, noch im

mentalen Bereich. Ein Hochhaus von der Größe des

Trump-Towers, allein oder mit Satelliten, von dieser

plumpen Gestalt, ohne Sinn- und Symbolgehalt wäre

ein Fremdkörper, der nicht im Einklang mir dem

Charakter, der Atmosphäre, der Mentalität, der

Topografie der Stadt stehen würde. Dies gilt

gleichermaßen für den beabsichtigten Standort und

seine Umgebung: Die die Stadt-Landschaft

bestimmenden Höhenunterschiede, z.B. zwischen

Hauptbahnhof und Pragsattel von ungefähr 100 m

würden angesichts des 200 m hohen Trump-Towers

ihrer Wirkung beraubt, Killesberg und Burgholzhof zu

lächerlichen Hügelchen im Vorgarten des Trump-

Towers degradiert. Die Beziehungen zwischen den

natürlichen und künstlichen Gestalten würde durch

diese ortlose, anonyme Baumasse gestört, ja zerstört

werden. Alles spricht gegen diesen Standort: Die

fehlende soziale, geschichtliche, ökologische,

ökonomische, anthropologische Dimension, die

mangelnde Wirtschaftlichkeit, die Probleme des

Verkehrs. Der Standort ist abwegig, unbegründet,

zufällig, falsch. Tausende von Exemplaren dieser

Spezies wurden und werden in aller Welt gebaut,

verwechselbar, ohne Charakter, Kopien von

Originalen, Kopien von Kopien. Keine Ergebnisse

von Denken, sondern Anlass zum Denken.

Stuttgart, diese labil-stabile, charaktervolle einmalige

Stadtpersönlichkeit braucht und vertragt kein

Allerweltshochhaus, kein fragwürdiges,

machtheischendes Surrogat, kein auslaufendes

Hochhaus-Modell. Stuttgart hat die Chance, Vorhut,

nicht Nachhut der Entwicklung zu sein, hat Chance,

seinen lebens- und liebenswerten Charakter weiter zu

entwickeln. Was Stuttgart, seine Stadt-Landschaft

benötigt, sind unverwechselbare, gleichermaßen

prägnante und prägende Bauwerke und Räume, die

den in dieser Stadt vorhandenen ingenieusen,

lockeren, weltoffenen Geist, zum Ausdruck bringen.

Deshalb fordern wir, dieses Projekt nicht weiter zu

verfolgen.

Arbeitsgemeinschaft Stuttgarter Bürgervereine (ASB) e.V.
Architekturforum Baden-Württemberg
Bürgerverein Bad Cannstatt
Bürgerverein Killesberg und Umgebung
Bürgerverein Pragsattel
Bürgerverein Unterm Weißenhof
BUND, Regionalverband Stuttgart
Kräherwaldverein
Naturfreunde Stuttgart
NABU, Stuttgart
Schwäbischer Heimatbund, Stadtgruppe Stuttgart
Verschönerungsverein Stuttgart

Fritz Auer, Stefan Behnisch, Walter Belz, Petra

Bewer, Peter Conradi, Herbert Fecker, Sven

Kohlhoff, Hellmut Kuby, Hans Luz, Sybille Maus,

Roland Ostertag, Frei Otto, Franz Pesch, Günther

Schaller, Jörg Schlaich, Arno Volteler, Carlo Weber,

Eberhard Weinbrenner und weitere namhafte

Personen

 

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